Patrick Roy's neue Taktik

Erstes Spiel der NHL-Saison in 2013/2014 der Avalanche. Der Gegner sind die Anaheim Ducks, gespielt wurde zu Hause im Pepsi Center. Die Avs führen eindeutig mit 6-1 unaufhaltbar und die letzten Sekunden im Spiel verstreichen. Als das Spiel abgepfiffen wird und der Sieg im ersten Saisonspiel feststeht, wird es plötzlich ruppig auf den Spielerbänken. Der Trainer der Avs, Patrick Roy, schreit wild gestikulierend Richtung Ersatzbank der Ducks und regt sich fürchterlich darüber auf, dass ein Anaheim Spieler zuvor den Rookie der Avs Nathan MacKinnon angegriffen hat und schwer gefoult hat. Und das, obwohl das Spiel schon nicht mehr zu gewinnen war. Der gegnerische Trainer, Bruce Budreau schreit zurück, Roy schreit noch wilder und plötzlich beginnt er, gegen die Plexischeibe zwischen den Bänken zu drücken und man hat das Gefühl, dass er jeden Moment die Scheibe auf Budreau drückt.
Es war ein verrückter Einstand für die Avs, aber ein Einstand, der gleich gezeigt hat, dass es mit dem neuen Trainer Roy heuer ganz anders sein wird. Man wusste nicht und weiß es nach wie vor nicht, wie erfolgreich die Avs mit ihm sein werden, doch eines weiß man schon ganz bestimmt: dass es eindeutig mehr Leidenschaft wieder im Spiel der Avs geben wird. Die Leidenschaft, die der Trainer vorlebt.
Sechs Spiele nun in der Saison steht man nicht mehr bei einem Sieg, sondern bei sechs Siegen. Roy konnte somit alle sechs Spiele bisher mit seinem Team in dieser Saison gewinnen. Und wie man an den ersten Spielen gesehen hat, hat sich mit Roy nicht nur die Leidenschaft im Team wieder geändert, nein, es hat sich auch die Taktik und Strategie am Eis geändert. In der Verteidigung wird viel mehr Zonen als Manndeckung gespielt und gegnerische Spieler werden viel früher attackiert als erst in in der eigenen Torzone. Und das macht sich bezahlt. Die Avs haben in sechs Spiele nur sechs Gegentore kassiert. Gerade einmal ein Tor pro Spiel, so wenig, wie kein anderes NHL-Team derzeit.
Sicherlich ist mit sechs Spielen nicht einmal 10% der neuen Saison gespielt und man kann theoretisch noch immer 76 verlieren. Doch eins ist klar: man hat das Gefühl, dass Eishockey in Denver wieder mehr Spass macht. Und das auch vor allem den Spielern. Die Leute lachen wieder viel mehr in der Kabine, die Stimmung ist besser, und das schlägt sich auch in der Leistung am Eis nieder. Alles in allem kann man also mit guter Hoffnung in die Zukunft blicken, dass die Avs wieder ein kompetitiveres Team sein werden und bald endlich wieder Playoff-Hockey gespielt wird. Mag sein, dass es vielleicht nicht gleich im ersten Jahr klappt. Aber momentan ist man einfach mit sechs Siegen auf einem guten Weg und es sieht einstweilen ganz gut aus.
Norbert Gruber, Austria, norbert@eurolanche.com
17/10/2013 - 16:30